Von:
Jan v. Lingen

e-pharisäer.de

„Pharisäer“ - dieses Wort ist wie eine Zeitreise. Es katapultiert uns zurück in die Zeit, in der Jesus lebte. Vor 2000 Jahren in Israel waren die Pharisäer Männer, die besonders fromm sein wollten. Das Wort bedeutet: „Abgesonderte“. Sie waren Handwerker, Kaufleute, Gelehrte, die ein gemeinsames Ziel hatten: Das Gesetz Gottes erfüllen. Sie beachteten hunderte Gebote, um ja nichts falsch zu machen. Sie wollten z.B. den Sabbath als Ruhetag achten, durften kaum einen Handschlag tun und zählten sogar ihre Schritte, um nicht zu weit zu gehen.

Und diese gestrengen Pharisäer hatten natürlich ihre liebe Mühe mit Jesus, dem Wanderprediger. Der besuchte nämlich Hochzeiten, setzte sich mit Prostituierten und Zöllnern an einen Tisch, predigte von Liebe und Vergebung und heilte Kranke – und noch dazu am Sabbath! Und so nannten sie Jesus einen „Fresser und Weinsäufer, der sich von Frauen aushalten lässt“. Nicht sehr freundlich.

In unserer Erinnerung geblieben ist das Bild des gesetzesstrengen Frömmlers. Der hält zwar äußerlich die Gesetze, ist aber innerlich kalt und hartherzig. Und wenn man heute zu jemandem sagt: Du, Pharisäer!, dann heißt das: Du tust immer so fromm. Aber im Grunde bist Du doch ziemlich selbstsüchtig und lieblos... – denn, klar, diese Sorte frommer Menschen ist nicht ausgestorben. Und jeder kann sich an seine eigene Nase fassen und sich fragen: Gehe ich liebevoll mit anderen Menschen um? Oder bin ich religiöser Rechthaber?

Ach, da gibt es aber noch ganz andere Phärisäer. Das sind Getränke aus Kaffee, Sahne, Zucker und einem Schuss Rum. Der Legende nach hat das Getränk seinen Ursprung auf einer Friesischen Insel. Es entstand angeblich bei einer Taufe im Jahre 1872. Die Gemeinde wollte bei der Feier Alkohol zu sich nehmen, doch der Pfarrer war strikt dagegen. So gab es Kaffee für alle – die Gemeinde tat also schön fromm. Doch die meisten verdünnten den Kaffee heimlich mit Rum und bedeckten die Täuschung mit einem Sahnehäubchen. Doch als versehentlich die Tassen vertauscht wurden, kam der Pfarrherr seinen Schäfchen auf die Schliche. Und da konnte er nur eins sagen: „Oh, ihr Pharisäer!“. Ja, und so erklärt sich auch der Name des Getränks...